
5. Die Koordination
Beim Tanzen müssen sehr viele Bewegungen gleichzeitig ausgeführt werden, was anfangs als nahezu unmöglich erscheint. Die Umsetzung der Tanzschritte in Abstimmung mit einem Partner zu einem vorgegebenen Rhythmus der Musik sind ein herausforderndes Koordinationstraining, das Konzentration und körperliche sowie geistige Beweglichkeit erfordert. Frau Dr. Christensen konnte in Langzeitstudien zeigen, dass das Risiko an Demenz zu erkranken bei regelmäßig tanzenden Menschen im Vergleich zu denen, die anderen Hobbies nachgehen, geringer ist. Konzentration, Gleichgewicht und Motorik profitieren von regelmäßigem Training des Zusammenspiels von Bewegungen. Die Körperkontrolle wird gefördert, wobei insbesondere das Rückwärtsgehen intensive Impulse an das Gehirn schickt, wie Frau Dr. Koch herausfand. Spezielle Botenstoffe in unserem Gehirn, die Neurotransmitter, stärken unser Gedächtnis und unsere Konzentrationsfähigkeit.
Neues muss erst erlernt werden. Die Bewegungsabläufe sind komplex. Aber dank der Neuroplastizität unseres Gehirns können wir ein Leben lang lernen, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Geduld ist also auch beim Tanzen lernen gefragt – sowohl mit dem Partner als auch in einer Gruppe.
In mehreren Studien konnte von Christensen gezeigt werden, dass gerade der Tango mit seinen anspruchsvollen Schrittkombinationen als Therapietanz umfangreiche Wirkung zeigt. Bei Demenzerkrankungen und Parkinson verbesserten sich der Gang, die Balance und dadurch auch die Lebensqualität erheblich. Das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamte sich und Fähigkeiten konnten länger erhalten bleiben. Interessanterweise zeigte eine Studie, dass Wiener Walzertraining im Gegensatz zum Training von argentinischem Tango weniger geeignet war, um Parkinson Symptome zu verbessern. Vermutlich liegt es daran, dass bei Tango Argentino häufig angehalten und wieder losgegangen wird. Das Losgehen und Balancehalten ist für Parkinsonpatienten eine besondere Herausforderung. Der Führende kann mit seinem Fuß den Folgenden sanft berühren, so dass die Bewegung ausgelöst wird. Beim Wiener Walzer gibt es weniger Gelegenheiten Bewegungsinitiation und Balance zu üben. -> 6. Ausdauer
Christensen, Koch, Tanzsport.de, Aok, TK