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2008 - 120 Jahre jung!

Einladung zur Gründungsversammlung 1888
Einladung zur Gründungsversammlung 1888

Begonnen hat es mit der verkehrsgünstigen Lage Holzkirchens. Am 16. April 1888 trafen sich 47 Turner aus Miesbach, Bad Tölz und Wolfratshausen im Oberbräusaal zur Gründung eines eigenen von München unabhängigen Gebirgs-Gau-Turn-Verbandes. Dieser hatte sich die „Hebung und Förderung des Turnwesens“ im oberbayerischen Gebirge zur Aufgabe gestellt. Der Vorstand des Verbandes war es, der die Holzkirchner Gäste zur Gründung eines eigenen Vereines aufforderte. Diese Idee fiel auf fruchtbaren Boden, denn seit 1885 hatte der Heilmagnetiseur Wilhelm Liebhaber, der sogenannte „Haiddoktor“, junge Männer um sich geschart, die im Sinne Turnvater Jahns mit turnerischen Übungen ihren Körper ertüchtigten.

Am 4. Mai, also nur zwei Wochen später, war es dann soweit: Holzkirchner Bürger fanden sich mit ihren Söhnen zusammen, um in der Marktgemeinde einen „Turnverein Holzkirchen“ zu gründen. Im Protokoll von Anton Rieblinger heißt es: „Es haben sich behuf dessen circa 36 Mitglieder entschlossen, den Verein als gegründet zu betrachten.“ Als „Turnrath“ wurden gewählt: Theodor Gleißner (Vorstand), Kilian Rankl (Turnwart), Mathias Bierlinger (Kassier), Anton Rieblinger (Schriftführer) und als Turnlehrer Herr Daibl. Sogleich wurde beschlossen, dass das Vereinslokal beim „Hauslbräu“, und der Sommerturnplatz am Liebhaberschen Anwesen und der Winterturnplatz im Hauslbräukeller sein sollte. „Jedes Mitglied hat eine Gebühr von 1 Mark, und einen monatlichen Beitrag von 20 Pfennig zu leisten“, steht im Protokoll.

Schon am 10. Juni 1888, also etwas mehr als einen Monat nach der Gründung, wurden die Turnstunden öffentlich bekannt gegeben. Jeden Samstagabend von „6 bis 8“ trafen sich die Turner auf dem Turnplatz, um von dem geschulten Turnlehrer P. Girt aus Tölz unterrichtet zu werden.
Dass aber die Vereinsgründung keine leichte Sache war, erfährt man schon auf den nächsten Seiten des Protokolls. Rasch wechselten die Verantwortlichen in den Ämter. Man machte sich die Sache nicht leicht. Von Manneszucht war die Rede, von Kameradschaft und Ehre. Beim Nachwuchs sprach man von „Zöglingen“. Trug der Vorstand „Gleichgültigkeit zur Schau“ wurde er abgewählt und ein Anderer kam zu Vorstandsehren. Man wird an die spartanische Zucht erinnert, hätten nicht immer wieder gesellige Veranstaltungen stattgefunden. Und die kamen von Anfang an bei den Holzkirchner Turnern nicht zu kurz.

Nach schwankenden Erfolgen hatten die Turner um die Jahrhundertwende 1900 große Erfolge mit turnerischen Vorführen bei Bällen. Die Wirkung war so nachhaltig, dass in der Folgezeit viele Holzkirchner beitraten. Als Folge wurde 1904 vom Turnwart Ruttmann ein Turnhallenfond ins Leben gerufen. 1909 konnte schließlich 1,55 Tagwerk (ca. 5280 m2) Grund für 1550 Mark gekauft werden. Außerdem bekam der Verein von Brauereibesitzer Friedrich Hilpolsteiner 100 Dezimal (1000m2) Grund an der Thannerstraße geschenkt und erwarb einen Rest von 38 Dezimal (380m2) zum Preis von 380 Mark. Ein Bauausschuss sollte den Turnhallenbau vorbereiten. 1911 trat das hundertste Mitglied dem Verein bei. 1913 wurde zum 25jährigen Gründungsfest das 20. Gauturnfest mit einer Fahnenweihe gefeiert.

Nach und nach gewannen die Ballsportarten immer mehr an Beliebtheit und so wurde zum ersten Mal 1919 ein Fußballspiel zwischen der Holzkirchner Mannschaft und einer Riege aus Rosenheim ausgetragen. Diese Begeisterung führte dazu, dass 1920 eine eigene Abteilung für Fußball und Faustball gegründet wurde. Mit dieser Erweiterung des Sportbetriebes wurde die Notwendigkeit einer modernen Sportanlage immer aktueller. So entschloss man sich 1920 ein Grundstück auf der Haid – bei den Eichen – zu kaufen. 13.000 Mark zahlte der Verein für den Grund und zusätzlich 5.000 Mark für eine darauf stehende Hütte mit eisernem Ofen. Von der Gemeinde wurde ein angrenzendes Grundstück für 300 Mark erworben.
1921 wurde Saturnin Stitzinger, als er nach 23 Jahren den Vorsitz abgab, für seine Verdienste der erste Ehrenvorsitzende unseres Sportvereins. 1924 führten die Turner Skirennen durch.

1927 trennten sich die Fußballer wegen eines Streites der übergeordneten Verbände von den Turnern.

1937 vereinigen sich die Turner, Fußballer und der Wintersportverein zu einem gemeinsamen großen Turn- und Sportverein, dem TuS Holzkirchen.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 kam das Vereinsleben zum Erliegen. Nach dem Krieg wurde die Vereinstätigkeit von der Militärregierung untersagt. Erst 1949 war wieder ein legitimer Sportbetrieb möglich. Hier waren es vor allem Rudi Bortenlänger und Heini Knöpfle, die als Vorturner und Trainer Sportriegen aufbauten. Mit hervorragenden Platzierungen und vielen Siegerkränzen kehrten die Holzkirchner Turner und Leichtathleten von vielen Sportveranstaltungen aus ganz Bayern heim. Besonders war als Springer Hermann Holzapfel und die Brüder Hartmut und Sigi Baumann im Mehrkampf der Leichtathletik erfolgreich. Die Brüder Baumann erhielten später eine Sportprofessur an Universitäten.

1962 wurde der hart umkämpfte Beschluss gefasst, den Turnergarten zu verkaufen. Vom Erlös wurden 50.000.- Mark der Marktgemeinde zum Bau eines Gymnastikraumes in der Einfachhalle übergeben und 25.000.- Mark zur Renovierung des Sportplatzes an der Haidstraße verwendet. Im Februar 1965 war dann soweit, die Schulturnhalle war endlich fertig und durch die Baubeteiligung die kostenlose Nutzung der Turnhalle außerhalb des Schulbetriebes vertraglich festgeschrieben. In den 70iger Jahren zählten die Herren über 10 Jahre lang zu den 30 besten Vereinsmannschaften der Bundesrepublik. Besonders erfolgreich war dabei die Geherin Olga Just, die mit der Junioren-Nationalmannschaft Wettkämpfe in Dänemark, Frankreich und Schweden bestritt. Der Gründer der Gehersparte erinnert in einem Bericht die Eindrücke vor dem Bau der Halle: „Unter primitiven Verhältnissen wurde an der alten Turnhalle beim Postkeller immer schon ´volkstümlich geturnt`, wie Leichtathletik damals genannt wurde. Sportgeräte waren aus alten Zeiten vorhanden: Kugeln, Schleuderbälle, Hanteln und sogar eine Stabhochsprungstange. Die Sprunggrube war am Tage ein beliebter Treffpunkt der Buben und am Abend der von vielen Turnern, die ihren Weitsprung trainierten. Der Lauf zu Kogel und zurück, war Beginn einer jeden Trainingsstunde.“

Um wie viel besser können wir heute unsere Trainingsstunden in den beiden Dreifachhallen am Schwimmbad und an der Probst-Sigl-Straße mit dem Mehrzweckraum und der Einfachhalle mit dem Gymnastikraum abhalten.

Das Jahr 1972 brachte ein Ereignis, das die Herzen der Sportler höher schlagen ließ, es fanden die Olympischen Spiele in München statt. Und das an antiker Stätte entzündete Feuer nahm seinen Weg von Olympia über Holzkirchen, weitergetragen von Sportlern des TuS!

Fünf der neun Abteilungen des TuS entstanden als Sparten im Schoß der Turner: 1967 Volleyball, 1972 Basketball, 1992 Badminton und 1996 Budo und Tanz. Vorher waren schon als Abteilungen Fußball von 1920 bis 1927 und wieder ab 1937, Tischtennis und Schach ab 1947 und Badminton 1992 im Verein gegründet worden. Von 1948 bis 1963 gab es eine Sparte Handball, die mangels Nachwuchs wiederaufgelöst wurde. 1968 löste sich der Eisclub Holzkirchen aus finanziellen Gründen vom TuS und wurde ein eigener Verein.
Heute ist der TuS Holzkirchen mit etwa 3000 Mitgliedern der größte Sportverein im Landkreis.

Ein Urgestein im TuS Holzkirchen ist besonders zu erwähnen: Günther Kretschmer. 1951 wurde er Mitglied des TuS, 1958 wurde er Jugendwart der Turnabteilung, 1975 Abteilungsleiter. Heute ist er immer noch deren Kassier. Wie viel er in dieser Zeit für den TuS und den Turnverband leistete, ist mit Worten kaum auszudrücken, verdient aber besonderen Dank.

Fußballer 1920 gegen FC Bayern München
Fußballer 1920 gegen FC Bayern München
Turnerinnen 1920
Turnerinnen 1920
Turnriege von Xaver Kreithanner 1928
Turnriege von Xaver Kreithanner 1928
Turnerinnen 1928
Turnerinnen 1928
Turnpyramide 1911
Turnpyramide 1911
Bekanntgabe der Turnstunden im Juni 1888
Bekanntgabe der Turnstunden im Juni 1888
Veranstaltungen 1890
Veranstaltungen 1890
Aufnahmekarte 1898
Aufnahmekarte 1898

Vostände des TuS

Ehrenvorsitzender Saturin Stitzinger
Ehrenvorsitzender Saturin Stitzinger
1888 - 1890 Gleißner Theodor
1890 - 1892 Vogler Georg
1893 Witt Felix
1894 Hugler Fritz
1895 Binder Gustav
1896 - 1898 Braunmandl Ruppert
1898 - 1914 Stitzinger Saturnin
  Weltkrieg I
1914 - 1920 Stitzinger Saturnin
1921 - 1924 Schwimmbeck Hans
1923 - 1924 Pfab Hans
1924 Stitzinger Saturnin wird für 23 Jahre Amtsführung geehrt und zum Ehrenvorsitzenden ernannt
1924 - 1930 Kreithanner Franz Xaver
1930 - 1931 Schwimmbeck Hans
1931 - 1933 Riblinger August
1933 - 1937 Kreithanner Franz Xaver
1937 Zusammenschluss:
Turnverein + Fußballclub + Wintersportverein =
TuS Holzkirchen:
1937 - 1939 Maier Josef
1939 - ???? Mühlpointner Max
  Weltkrieg II
1947 - 1949 Zeller Herbert
1949 - 1962 Jennerwein Hans
1962 - 1964 Müller Imo
1964 - 1968 Hort Josef
1968 - 1974 Seiler Albert
1974 - 1976 Meck Walter
1976 - 1982 Hampe Helmut
1982 - 1986 Lappus Helmut
1986 - 1990 Krischke Manfred
1990 - 1996 Schuller Dieter
1996 - 2006 Wedekind Jörg
2006 Wedekind Jörg wird für seine Amtsführung geehrt und zum Ehrenvorsitzenden ernannt
seit 2006 Schmidpeter Andi
Hintergrund